Bericht von der ersten Woche in Kinshasa

Bericht von der ersten Woche in Kinshasa

Wenn ich vor Ort ankomme, dann regnet es Fragen wie „Wie ist dein genaues Programm? Wann kommst du zu mir? Wann kann ich dich besuchen? Wirst du auch das und jenes machen, auch dort und dort hinreisen und wann genau?“

Ich muss dann immer sagen: „Ich weiß es noch nicht. Das kommt darauf an“. Und dann versuche ich irgendwie zu beginnen und eine Struktur zu finden.

  • Gleich begonnen habe ich mit dem Verbandwechsel und der Venenkompression bei Soeur Alphonsine, sie hat darauf sehnlichst gewartet. Sr. Alphonsine hat mit ihren offenen Beinen schon sehr viel mitgemacht. Sie war sogar monatelang zur Behandlung in Südafrika. Alles ohne wirklichen Erfolg. Inzwischen ist sie zurecht reserviert gegenüber allen neuen Methoden. Aber bis jetzt läuft alles erstaunlich gut, die Wunde hat sich schon etwas gebessert, sie verspürt keine Schmerzen, und die Venenkompression, auf die es mir hauptsächlich ankommt, verträgt und akzeptiert sie gut. Niemand hat bisher die Notwendigkeit der Venenkompression, von der ich überzeugt bin, erkannt. Es gibt außerdem die dafür benötigten Kurzzug-Bandagen nicht. Denn schon die vergangenen Male war mir ziemlich klar, dass sie genau das braucht, aber ich hatte nichts dabei. Und das gegenseitige Vertrauen musste sich erst entwickeln.
  • Den Kontakt zur Crêche und Mama Florence habe ich als nächstes gesucht. Sie hat mir über die persönlichen Schicksale einzelner Kinder und Jugendlichen erzählt, und mir gesagt, wo sie Hilfe braucht, um zu helfen.

Ich musste im Verlauf der Gespräche mit verschiedensten Menschen zur Kenntnis nehmen, dass hier im Kongo wenig Kenntnis existiert über die Bewältigung von Traumata. Es heißt gleich mal „Du musst verzeihen“. Das junge Mädchen, das vom eigenen Vater unter Drogen gesetzt und vergewaltigt wurde, soll ihrem Vater verzeihen. Das Kind, das, der Hexerei beschuldigt, von der eigenen Familie verletzt, regelrecht gefoltert und verstoßen wurde, soll verzeihen. Hier protestiere ich sehr energisch und lasse mich auf tiefe Gespräche ein.

  • Am späten Samstagnachmittag traf ich in der Schule in Kimbanseke viele der Frauen, die ich im Vorjahr geschult Sie kommen weiterhin jeden Samstagnachmittag zusammen, praktizieren das Gelernte und tauschen sich aus. Das Wiedersehen war überwältigend! Ich bin so stolz über die Tatkraft der Frauen, die sich mit der einfachen Methode der Reflexologie und Kinaesthetics selbst und innerhalb der Familie helfen. Erschütternd war aber doch die existentielle Armut, die sich zeigte. Einige nutzten meine Anwesenheit, um mir konkrete Fragen zur eigenen Gesundheit zu stellen. Wenn ich dann fragte, warum sie wegen eines Leidens, das durch Reflexologie nicht verschwindet, nicht fachärztliche Hilfe suchen, dann höre ich: „Eine Konsultation kostet zehn Dollar, und die habe ich nicht“. Unauffällig stecke ich den benötigten Betrag zu. Aber damit sind noch keine weiterführenden Kosten, zum Beispiel im Fall einer Operation, gedeckt.
Die Frauen von Kimbanseke
  • Am Sonntag besuchte ich Doktor Ulrich Bifutuka, der gerade auf Urlaub bei seiner Familie außerhalb von Kinshasa, in der Nähe des Flughafens, weilte. Er ist derjenige, für den ich die medizinischen Geräte suchte. Er erzählte mir über seinen Plan, in dieser dicht besiedelten Wohngegend ohne ärztliche Versorgung, auf lange Sicht eine Klinik aufzubauen. Er will mit einer Ordination beginnen und diese nach und nach erweitern mit einer Geburtenstation und einem Gesundheitszentrum, in dem Kranke auch stationär behandelt werden können. Seine Beispiele von Menschen, die starben, weil ärztliche Hilfe nicht erreichbar war, gingen mir ans Herz. Um seinen Plan umzusetzen, muss er zuerst seine Tätigkeit im staatlichen Gesundheitssystem, für das er seit Jahren unbezahlt arbeitet (siehe Bericht vom Juni 2019 auf www.elikia.at), beenden.

Dr. Ulrich hat eine fünfjährige Nichte, die mit deformierten Gliedmaßen zur Welt kam. Mir ihr arbeitete ich ein bisschen kinaesthetisch, zeigte der Mutter einige Übungen, und wenn es die Zeit erlaubt, werde ich nochmal kommen. Das geht aber nur sonntags, weil die Mutter die anderen sechs Tage der Woche arbeitet. Der Vater hat seine Frau verlassen wegen des behinderten Nachwuchses.

  • Am Montag besuchte ich gemeinsam mit Dr. Ulrich die Crêche in Masina Pasquale. Dr. Ulrich untersuchte und behandelte die kranken Kinder und er versprach, bei jedem seiner Kinshasa-Aufenthalte in die Crêche zu kommen. Mama Florence erspart sich dadurch Arzt-Kosten. Es war auch schön zu erleben, wie kenntnisreich und liebevoll Dr. Ulrich mit den kleinen Patientinnen und Patienten umgeht.
Dr. Ulrich hält Ordination in der Crèche.

Leider wurde ich an diesem Tag Zeugin eines Vorfalls, der mich zutiefst verstörte. Es geht um die elfjährige Milka, die auf meine Bitte hin im Waisenhaus der Don Bosco Schwestern, im Maison Mazzarello 2018 aufgenommen wurde. Milka hatte sich dort gut eingelebt und ihre Heimat gefunden. Leider hatte sie in der Woche davor einen Blödsinn gemacht, wie ihn Kinder machen, würde ich sagen. Sie hatte mit einem anderen Mädchen gezündelt, eine Matratze hatte Feuer gefangen. Die Schwestern dort beurteilten dies als ein so großes Vergehen und als eine Gefahr für die Sicherheit der anderen Kinder, sodass sie beide Kinder aus dem Maison Mazzarello rauswarfen. Ich war wie gesagt in der Crêche, als eine Schwester und eine Sozialarbeiterin Milka bei Mama Florence abgaben. Sie ließen nicht mit sich reden. Nun geht es darum, das retraumatisierte Mädchen zu stabilisieren und einen neuen Weg für es zu finden. Oh Gott, das beschäftigt mich wirklich sehr.

Milka
  • Am Dienstag besuchten mich Mama Fifi Bora mit Rosette und Sagesse, die Freude des Wiedersehens war groß. Sie alle warten noch auf die Ankunft der drei Schwestern aus dem Kriegsgebiet im Ost-Kongo. Deren Abreise verzögert sich immer noch wegen der fehlenden Papiere. Kommende Woche werden sie hoffentlich endlich in Kinshasa ankommen.

Zuerst habe ich die drei und den elternlosen Studenten Emmanuel, um den sich Fifi ebenfalls kümmert, in Reflexologie instruiert, mit der Option, dass sie damit nicht nur sich selbst, sondern auch den Geschwistern nach deren Ankunft in der gesundheitlichen Stabilisierung helfen können. Sie waren alle mit Eifer bei der Sache.

Dann wechselten wir das Thema, und ich gab ihnen Mandalas zum Ausmalen. Das Material inklusive der Farbstifte hatte ich mitgebracht. Während des Ausmalens war es still im Raum, man hörte nur den Ventilator rauschen. Vom Ergebnis waren alle erfreut. Es war schön und berührend, sich über dieses zweckfreie Tun auszutauschen. Sie fühlten, dass diese einfache Tätigkeit sie ruhig und im Moment von Sorgen frei gemacht hatte.

Die Übung war gelungen, und ich meine, ich habe damit einen Einstieg, wenn auch nur einen kleinen, in die Traumaarbeit gefunden. Auf diesem Weg möchte ich weiter machen. Blätter und Stifte zum Fortsetzen habe ich allen mitgegeben.

Besprechung der Mandalas
  • Am Mittwochnachmittag starte ich in Masina Pasquale eine vorerst dreiteilige Gesundheitsschulung, von Mama Florence organisiert.
  • Kommenden Montag ist geplant, mit Mama Florence zur Farm auf dem Plateau von Pateke ungefähr drei Stunden Reisezeit von Kinshasa entfernt, zu reisen. Mit dieser Farm finanziert Mama Florence ihre soziale Arbeit. Für die Frauen, die auf der Farm ihres Vereins arbeiten und für andere Landarbeiterinnen werde ich Gesundheitsschulungen halten. Die Herausforderung wird der fehlende Raum sein. Wir müssen uns in kleinen Gruppen wohl unter Bäumen treffen. Das tat ich immer in der trockenen Saison, aber jetzt ist Regenzeit.

Diese erste Woche ist mit kleinen Aktivitäten und vielen Begegnungen und Gesprächen vergangen. Ich denke, das alles hat seine Berechtigung und ich bin zufrieden.

Erdrutsche, weggeschwemmte Häuser und Quartiere, abgerissene Straßen und Überflutungen in Kinshasa

Erdrutsche, weggeschwemmte Häuser und Quartiere, abgerissene Straßen und Überflutungen in Kinshasa

Im vergangenen November und Dezember 2019 erreichten mich zahlreiche Meldungen über Hangabbrüche und schwere Überschwemmungen, ausgelöst durch sintflutartige Regenfälle. Die Region von Kinshasa mit dem Kongo Fluss liegt Großteils auf sandigem Untergrund. Erosion ist hier ein ständiges Problem. Stadtteile, die auf Hängen liegen, sind besonders gefährdet, bei solchen Naturkatastrophen wegzurutschen. Die Erdrutsche forderten viele Tote. Viele Menschen konnten ihr Leben retten, verloren aber ihr Zuhause und ihre Habseligkeiten. Hilfe von offizieller Seite existiert nicht. Die Kommunen treffen auch keine Vorkehrungen, um die Hänge zu befestigen, weil die Mittel fehlen. Kanalisation existiert nur ungenügend oder in den ganz armen Vierteln überhaupt nicht. Also kann das Wasser häufig nicht abfließen und der Wasserstand steigt. Diese Auswirkungen des Klimawandels – als solche werden die Wetterkapriolen beschrieben – treffen überwiegend die Armen, die bereits in geologisch gefährdeten Gebieten leben.

Leider ist auch die Schule St. Hélène von Erosion betroffen. Durch einen Hangabbruch auf dem Schulgelände stürzte eine Mauer ein, ein Teil des Schulgebäudes und die Latrine sind schwer beschädigt. Der Vermieter will die Sanierung der Schäden nicht übernehmen.

Personen, die ich persönlich unterstütze, wie Mama Fifi Bora, welche zwei Kriegswaisen aufgenommen hatte, oder der Student Emmanuel Landu, mussten so schnell wie möglich ihr Zuhause verlassen. Für eine Unterkunft verlangen die Vermieter eine Kaution von bis zu zehn Monatsmieten. Und wenn viele Menschen ein neues Zuhause in einer sichereren Wohngegend suchen, dann steigen die Preise.

Schaden in der Schule St. Hélène
Schaden in der Schule St. Hélène

Emmanuel Landus Wohnumgebung
Emmanuel Landus Wohnumgebung

 

Bericht aus dem Kongo Teil 2

Bericht aus dem Kongo Teil 2

Liebe Elikia-Freundinnen und Freunde!

Auch die zweiten zwei Wochen vom 14. bis zum 28. Juni 2019, dem Tag der Abreise, waren ausgefüllt mit vielen verschiedenen Aktivitäten und spannenden und berührenden Begegnungen.

Reise in die Provinz Bandundu

Vier Tage war ich mit Patrick Kasasi, einem weiteren Freund und Mitarbeiter der ersten Stunde, unterwegs, um die Krankenhäuser in Mutombo und Tshakala Mbewua zu besuchen. Dort war ich schon im Vorjahr und hatte guten Kontakt zu Doktor Ulrich Bifukuta, der jetzt das Krankenhaus in Mutombo leitet, und zu Blandine Kuzwela, der administrativen Leiterin des Krankenhauses in Tshakala Mbewua, gefunden. Diesmal hielt ich eine äußerst gut besuchte Schulung in Mutombo (über vierzig Frauen und Mädchen teilweise mit ihren kleinen Kindern, und viele weitere „Zaungäste“, die rundherum standen und versuchten so viel wie möglich mitzubekommen). Doktor Ulrich war wieder als engagierter Erklärer und Dolmetscher dabei. Das Interesse, noch mehr zu lernen, war sehr groß. So bot ich an, dass am nächsten Tag zehn besonders interessierte Personen zu einer intensiven Schulung kommen können. Das funktionierte gut, und diese zehn wollen mit den anderen in kleinen Gruppen weiterarbeiten.

Wir nahmen uns auch Zeit zum persönlichen Austausch mit Blandine und Ulrich. Die beiden sind ziemlich desillusioniert. Sie sind von Staat unbezahlt, obwohl sie eine staatliche Stelle im Gesundheitssystem besetzen. Auch die Krankenschwestern und Pfleger arbeiten seit Jahren oder auch Jahrzehnten unbezahlt. Das Personal kann sich nur das unter sich aufteilen, was die Patientinnen und Patienten bezahlen. Da sie niemanden abweisen wollen, weitet sich der Mangel eben zum Personal hin aus.

Ob man irgendwann endlich registriert und damit bezahlt wird, ist eine ungewisse Sache. Das kann wie gesagt Jahre oder auch Jahrzehnte dauern, oder nie sein.

Nun verstand ich auch den Streik des medizinischen Personals besser. Es ist nicht „der Gesundheitsminister“, der die Löhne unterschlagen hat. Da es keine Regierung gibt, gibt es auch keinen verantwortlichen Minister. Der Sumpf der Korruption ist viel zu tief und undurchdringlich, um einen/eine Schuldige in diesem System finden zu können.

Jedenfalls wurde der Streik ausgelöst, weil nun auch diejenigen, die eigentlich auf einer Gehaltsliste stehen, auch kein Gehalt mehr bekommen hatten. Das hatte dann alle auf die Straße gebracht.

Crêche

Ich traf mich mehrmals mit Mama Florence, der Leiterin der „Crêche“ im Stadtteil Masina Pasqual. Sie betreibt einerseits einen Kindergarten, eben eine Krippe – Crêche, und nimmt auch verlassene Kinder, Kinder, die niemand will, bei sich in ihrem Haus auf. Und sie kümmert sich um vergewaltigte Mädchen und um „fillesmères“. Zum Beispiel wohnen jetzt unter anderem der siebenmonatige Cyprian mit seiner Mutter bei ihr. 16-jährig, wurde sie von drei „Kuluna“ vergewaltigt, die Frucht davon ist Cyprian. Die Eltern verstießen ihre schwangere Tochter, Mama Florence nahm sie auf. Was mich bei dieser Frau besonders beeindruckt, ist ihre liebevolle und mütterliche Haltung den Kindern und Mädchen gegenüber. Sie „verwaltet“ nicht ein Sozialprojekt, sondern ist mit ganzem Herzen bei den Menschen.

So wie auch Bunkete in Bandundu Ville, betreibt Mama Florence eine Farm auf dem Hochland von Pateke. Sie möchte auf ihrer Farm, auf der knapp dreißig Leute arbeiten, weitere drei Hektar Boden urbar machen und bepflanzen und mit der Ernte ihre soziale Arbeit finanzieren.

Wir haben vereinbart, dass ich bei meinem nächsten Besuch im Kongo wieder eine Gesundheitsschulung in ihrem Stadtteil und für ihre Zielgruppe mache, so wie auch schon 2016.

Gesundheitsschulung in Kimbanseke

Eine solche Schulung für Mädchen und Frauen habe ich diesmal im Stadtteil Kimbanseke, der noch weiter außerhalb liegt und ähnlich arm wie Masina Pasqual ist, gehalten. Eine Lehrerin der Schule, die von der Don Bosco Schwester Hildegard Litzlhammer mit Hilfe einer Großspende gebaut wurde, hatte Mütter von Schulkindern angesprochen. Diese waren in großer Zahl zur dreiteiligen Schulung gekommen und hatten großes Interesse gezeigt. Was mich besonders freut: Sie wollen ein „Centre de formation sanitaire“ gründen. Dies ist deshalb realistisch, weil sie sich in der Schule an Samstagnachmittagen in einem Klassenzimmer treffen können. Eine Krankenschwester, die an der Schulung teilgenommen hat, zeigt sich äußerst engagiert und will die Frauen inhaltlich gemeinsam mit meiner Mitarbeiterin Solange weiter begleiten. Die Schule hat neben dem Primär- und Sekundärzweig auch einen professionellen Zweig. Der ist für die Zielgruppe von größeren Mädchen, die nie eine Schule besucht haben, gedacht. Sie werden alphabetisiert, aber gleichzeitig erwerben sie Kompetenzen, die ihnen einen Lebensunterhalt ermöglichen sollen. In diese Schiene könnte das Gesundheitsschulungs-Zentrum gut hineinpassen. Ich hatte heute, 28. 6. kurz vor der Fahrt zum Flughafen noch zwei Frauen zum Leiter dieses Schulzweiges begleitet. Die Frauen hatten die Sache selbst als ihr eigenes Anliegen vorgetragen.

Ecole St. Hélène

Über die Schwierigkeiten der Ecole St. Hélène habe ich schon im ersten Bericht erzählt.

Mit den Leitern dieser Schule, dem Coordinateur Denis Lelo und dem Direktor Jean Leandre hatte ich mich nochmal getroffen, um über die Weiterführung der Schule nachzudenken. Das Schulgebäude ist in einem desolaten Zustand. Soll und kann der Unterricht an diesem Ort weitergeführt werden? Gibt es Alternativen? Um das alles gut zu überlegen, habe ich die beiden mit Dan Mitewo, einem Informatiker und insgesamt klugen und ideenreichen Menschen zusammengebracht. Er soll eine Außenperspektive einbringen und helfen, eine gute und realistische Lösung zu finden.

Schulung in Beaumarche

Aus organisatorischen Gründen konnte ich diese Schulung nicht selbst zu Ende bringen, das wird Solange übernehmen.

Zwei persönliche Geschichten

1. Wiedersehen mit Rosette

Rosette, damals dreizehn Jahre alt, war 2013 gemeinsam mit ihrer Tante, Mama Linda und deren vier Kindern, vom Osten des Kongo nach Kinshasa geflüchtet. Rebellen hatten den Mann Lindas sowie Rosettes Eltern getötet. Ich hatte die kleine Gruppe Geflüchteter, zu der auch noch eine andere Witwe, Mama Dorcas mit ihren Kindern gehörte, krank und in unzumutbarer Wohnsituation in der Nähe eines staatlichen Altenheimes gefunden. Ich hatte ihnen geholfen, eine Wohnung zu finden, aber später waren Linda und Dorcas mit meiner Hilfe wieder in den Osten zurückgekehrt, sie hatten in Kinshasa nicht Fuß fassen können. Die beiden Witwen und auch Rosette hatte ich dann aus den Augen verloren.

Zwei Wochen vor meiner Ankunft in Kinshasa war Rosette hier angekommen und konnte bei der ehemaligen Vermieterin Unterschlupf finden. Dazwischen liegt eine lange Geschichte, in der es Rosette gelang, ihren jüngeren Bruder ausfindig zu machen. Er war durch die Wirren der Flucht nach Kinshasa gekommen. Man hatte ihn für tot gehalten, aber Nachbarn hatten ihn damals gerettet. Durch den Kontakt zu einer befreundeten Ordensschwester erfuhr ich von Rosette. Das Wiedersehen war berührend. Es ging nun darum, eine Lebensgrundlage für Rosette und ihren Bruder zu schaffen und einen Bildungsabschluss für Rosette zu organisieren.

2. Mama Adel ist wieder mit ihren fünf Kindern vereint

Mama Adel traf ich bettelnd mit ihrer jüngsten Tochter Fatou, vier Jahre alt, am Boulevard in Kinshasa. Es war der vorige Sonntagabend, ich war zu spät vom Taxi ausgestiegen und musste ein gutes Stück zurück zu Fuß zu meinem Zimmer beim Café Mozart gehen. Normalerweise gebe ich in so einem Fall eine Spende, nicht zu klein, um kein allzu schlechtes Gewissen zu haben. In diesem Fall fühlte ich, dass das nicht passte. Ich setzte mich zu den beiden und versuchte herauszufinden was los war. Mama Adel spricht nur Lingala, also sprach ich Vorübergehende an, mir zu helfen und zu übersetzen. Mama Adel ist Mutter von fünf Kindern zwischen vierzehn und vier Jahren. Der Mann hatte die Familie vor wenigen Monaten verlassen und sich auch die Garantie für die Wohnung auszahlen lassen und mitgenommen. Die Familie wurde auf die Straße gesetzt. Mama Adele verteilte die älteren vier Kindern bei anderen Familien und sie und die Jüngste leben seither auf der Straße.

Wieder muss ich abkürzen. Mama Adel hat in kürzester Zeit in Kimbanseke eine kleine Wohnung gefunden, diese liegt in der Nähe der Schule von Schwester Hildegard Litzlhammer. Dort kann sie ihre Kinder auch ohne Schulgebühren einschulen. Eventuell kann Schwester Hildegard ihr eine Arbeit geben. Ich sorgte noch für das Anschaffen der wichtigsten Einrichtungsgegenstände. Eine Angestellte von Schwester Hildegard wird mich bezüglich der weiteren Entwicklung auf dem Laufenden halten.

Zu guter Letzt meine Gesundheit

Diesmal ging es mir gesundheitlich nicht gut.

In der Trockenzeit ist die Luft unglaublich staubig, rußig sowieso immer, besonders in den Städten. Vermutlich habe ich durch den Staub Darmparasiten eingeatmet, welche meinem Verdauungstrakt fortgesetzt zusetzen. Von der Bandundu-Reise habe ich eine Bronchitis und Schnupfen mitgenommen. An der Innenseite des rechten Knöchels habe ich mir bei einem schadhaften Motorrad-Auspuff eine Brandwunde zugezogen. Und ich bin in ein schlecht abgedecktes Kanalloch gefallen und habe mir Knie, Ellbogen und Knöchel abgeschürft und geprellt.

Aber ich bin auf der Heimreise, und ich freue mich auf daheim!

PS: Diesen Bericht habe ich beim Zwischenstopp in Addis Abeba am Freitag 28. Juni abends geschrieben. Heute Sonntag 30. Juni bessere ich die Fehler aus und runde ich ab.

Abrundung

Zur Abrundung gehört vielleicht auch eine Klarstellung bezüglich der Finanzierung der Reise mit allen Aktivitäten.

Wie schon bei der Vereinspräsentation und bei anderen Anlässen gesagt, finanziere ich selbstverständlich alle meine persönlichen Reisekosten selbst (Flug, Visum, Aufenthalt, Reisen im Land). Ich übernehme selbstverständlich auch die gesamten Reisekosten der Personen, die mit mir arbeiten und mich begleiten. Die Unterstützung von Rosette und Mama Adele, und einigen anderen Personen, die ich nicht angeführt habe, betrachte ich als meine persönliche Hilfeleistung, die natürlich auf meine Kosten geht.

Nur die Unterstützung jener Projekte, die als Projekte von Elikia schon im Vorfeld festgelegt wurden, wie die Schule St. Hélène, Bunkete, Crêche, gehen auf das Konto von Elikia.

Viele herzliche Grüße
Hermine Moser, Obfrau

PPS: Kuluna sind sehr gewaltbereite junge Leute in den armen Stadtvierteln. Sie schüchtern ihre Opfer mit Macheten ein, töten und verletzen. Gestern noch zeigte mir ein Bekannter eine Narbe von einer Verletzung am Ellbogen, die ihm Kuluna zugefügt hatten. Eine Freundin erzählte mir von einem Überfall von Kuluna auf eine Gruppe von circa hundert Menschen, die in der Karwoche am Gründonnerstag auf einen Berg gewandert waren, um zu beten. Kuluna bedrohten sie mit Macheten und nahmen ihnen alles Geld und Mobiltelefone ab. Sie selbst war auch betroffen.

Die Kuluna sind natürlich auch und vor allem ein soziales Phänomen. Immer wieder startet der Staat gewalttätige Säuberungs-Aktionen gegen die Kuluna und tötet sie an Ort und Stelle. Das hilft nur kurz. Andere kommen nach, weil sich an der grundsätzlich hoffnungslosen Situation so vieler Menschen nichts ändert.

Inferioritätskomplex

Monsieur Martin, ein Hauptverantwortlicher der in Bandundu Ville aktiven NGO Bunkete, mit der ich hier zusammenarbeite, ist ein guter Gesprächspartner für heikle Themen wie Fragen des Umgangs miteinander, in dem Bitte und Danke kaum Platz haben, oder auch über den weit verbreiteten Inferioritätskomplex, den er selbst ansprach.

Es ist so wie überall auf der Welt. Die Menschen, welche sich selbst wenig wertschätzen können, treten oft arrogant auf. Sie suchen und finden Situationen, in denen sie meinen, Eindruck schinden zu können. Dies betrifft natürlich nicht nur Männer.

Ich selbst erlebe meistens viel Respekt. Vor allem die Frauen, die „Mamas“, schätzen meinen offenen Zugang und meine Bereitschaft zu Begegnung auf Augenhöhe. Manchmal befinde ich mich aber in einer Situation, in der ich mich schlecht oder abschätzig behandelt fühle. Es sind meistens Männer, welche meinen, sie hätten nun eine gute Gelegenheit, einer Weißen zu zeigen, wer hier das Sagen hätte. Endlich findet sich eine Mundele (Weiße), die nicht im Jeep mit Chauffeur herumfährt und dadurch unerreichbar ist, sondern die man einfach ansprechen kann, weil sie sich wie alle anderen auf der Straße bewegt. Ich bleibe in so einer Lage geduldig und denke mir: Okay, nun kriege ich etwas von den vielen Demütigungen, welche die Menschen hier erdulden mussten und immer noch müssen, ab. Kein Problem, das kann ich gut tragen. Und dann löst sich die Situation auch wieder auf.

Lingala, eine Sprache im Imperativ

„Donne-moi café“, donne-moi dies und jenes. Das klang für mich oft wie ein brüskes „gib her“ oder „her damit“.

Als bei der Schulung in Bandundu Ville immer wieder Personen auftauchten, die sich einfach dazu setzten, ohne Erklärung, warum sie erst zum zweiten oder dritten Termin kommen, oder warum sie stark zu spät kommen, sprach ich dieses Verhalten an. Ich fragte nach, wie sie dazu kämen, überhaupt teilzunehmen, wer sie zur Schulung eingeladen hätte, und warum sie sich nicht präsentierten und von selbst erstens den Grund ihres späten Einstiegs erklärten und mich zweitens um Erlaubnis fragten, ob eine Teilnahme überhaupt möglich sei. Dies rief Verwunderung und Betretenheit bei den Betroffenen hervor, und auch Unverständnis, wie mir schien.

Schließlich erklärte eine Teilnehmerin seufzend: „Ja, das ist unsere Sprache. In Lingala gibt es kein Danke und Bitte“. Auch eine Frageform nach dem Motto: „Ist es möglich, dass“, oder „Kann ich“, oder „Können Sie, kannst du“ ist unüblich.

Wenn man was will, gibt es als Mitteilungs- und Ausdrucksform nur den Imperativ. Entsprechend prägt dies das Verhalten der Menschen und den Umgang miteinander.

Französisch und Lingala sind im Kongo die Verkehrssprachen, sie werden von fast allen mehr oder weniger gut beherrscht wird. Im Französischen gibt es selbstverständlich s´il vous plait, und merci, und die Möglichkeit sich höflich auszudrücken. Aber diese Tatsache wird gedanklich nicht auf Lingala übertragen, sondern im Gegenteil. Der Imperativ schlägt auch im Französischen durch.

Mir viel auf, dass gerade die jungen Männer mit einigem Zorn auf meine Aufforderung, sich höflich zu erklären, reagierten. Sie vertrugen es am wenigstens, in Frage gestellt zu werden. Dies ist kein Wunder in einer Kultur, welche Frauen ganz selbstverständlich als den Männern untergeordnet betrachtet.

Kongos Krankenschwestern gehen auf die Straße

Hier im Kongo streiken gerade die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen. In allen großen Städten, voran in Kinshasa, aber auch in Bandundu Ville, wo ich seit dem 6. 6.2019 bin, waren sie heute am 11. 6. lautstark auf der Straße.

Was war passiert?

Als vor einigen Jahren das Bankkonto zur Überweisung des Lohns für die Angestellten in öffentlichen Krankenhäusern eingeführt worden war, bedeutete dies eine große Neuerung. Nun bekam jede Bedienstete den Lohn auf ihr eigenes Konto überwiesen. Früher war es üblich gewesen, dass eine Führungsperson das Geld für alle Angestellten erhielt. Wenn diese den Lohn nicht an die Mitarbeiterinnen austeilte mit der Begründung, es wäre nicht angekommen, dann stiegen sie leer aus. 2013 bei meinem ersten Kongo-Aufenthalt hatte mir dies eine befreundete Ärztin voller Freude und mit der Zuversicht, dass solche Betrügereien nun nicht mehr vorkommen könnten, erzählt.

Das Pflegepersonal hatte aber heuer erneut monatelang keinen Lohn bekommen, nichts war auf ihren Bankkonten eingetroffen.

Des Rätsels Lösung: Die korrupte Obrigkeit hatte eine neue Möglichkeit gefunden, sich auf Kosten des Pflegepersonals zu bereichern. Sie hatten als Empfängerinnen der Löhne einfach die Konten ihrer Kinder, Nichten und Neffen und sonstiger Begünstigter anstatt der wirklich Arbeitenden angegeben. Monatelang war das gut gegangen!

Der Betrug war vom kongolesischen Gesundheitsminister ausgegangen, in Kollaboration mit den Gesundheitsverantwortlichen der einzelnen Provinzen und wohl weiterer Personen. In Bandundu Ville war der oberste Chef des Hospital General arretiert worden.

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung!

Ein kleiner Zwischenbericht von meinem Kongo-Aufenthalt 2019

Liebe Freundinnen und Freunde von Elikia, liebe Mitglieder!

Politisches und Landeskundliches

Seit 1. Juni bin ich im Kongo. Hier sind die Zeiten gerade aufregend. Das medizinische und pflegerische Personal der staatlichen Krankenhäuser und Gesundheitszentren ist im Streik und protestiert auf der Straße für das Auszahlen ihrer Löhne. Es ist unglaublich, aber ein korrupter Gesundheitsminister hat in Kollaboration mit korrupten Gesundheitsfunktionären landesweit veranlasst, dass die Löhne anstatt an die tatsächlichen Arbeitenden, an ihre eigenen Kinder, Nichten und Neffen und sonstige Begünstigte ausgezahlt wurden, und das seit über zwei Monaten! Die Menschen sind zurecht empört. Gestern und heute habe ich eine Schulung in einem Krankenhaus des Roten Kreuzes für Pflegepersonal und PhysiotherapeutInnen gehalten. Sie erzählten mir einiges über ihre bittere Lage.

Der neue Präsident Felix Tshisekedi hat immer noch keine Regierung zustande gebracht. Das ist sehr im Sinn des früheren Präsidenten Joseph Kabila, der ihn scheitern sehen will. Kabila hat es geschafft, sich zum Senatspräsidenten ernennen zu lassen. In dieser Stellung kann er einspringen, wenn der gegenwärtige Präsidenten Tshisekedi ausfällt. Tshisekedi wird Praktikant-Präsident von denen genannt, die ihn nicht gewählt haben, und das ist die Mehrheit. …  All die Machenschaften des Ex-Präsidenten und seiner Partei PPRD (Partei des Volkes für Rekonstruktion und Entwicklung), der seine Macht mit allen Mitteln sichern will, haben in Kinshasa viele Menschen auf die Straße gebracht. Einige Gesprächspartner sagten mir, dass das Volk bei den letzten Wahlen am 30. Dezember wirklich einen Wandel wollte. Wenn dieser wieder nicht kommt, wird die gesammelte Kraft des Volkes diesen erzwingen … Aber schon 2016, als Kabila eigentlich abtreten sollte und er die anstehenden Wahlen hintertrieb, hatte ich ähnliches gehört …

Bunkete

In dieser spannenden Zeit bin ich nicht in Kinshasa, sondern seit 6. Juni in der Provinzstadt Bandundu Ville. Hier arbeite ich mit der NGO Bunkete zusammen. Bunkete bedeutet in der Sprache Kikongo, die hier neben Lingala gesprochen wird, Sauberkeit. Die NGO hatte nämlich ihre Arbeit mit der Herstellung von Putzmitteln gestartet. Damit wurden einerseits Frauen-Arbeitsplätze geschaffen, und andererseits konnte langsam mit der Unterstützung von elternlosen Kindern begonnen werden.

Ich hielt bereits zwei vierteilige Schulungen parallel, vormittags und nachmittags, hauptsächlich für Frauen und Mädchen, und die zweitägige Schulung für Professionisten. Am vergangenen Sonntag besuchte ich mit Bunkete-Leuten die eine gute halbe Motorrad-Stunde entfernte Farm, die von Bunkete betrieben wird, um die Unterstützung der Waisenkinder finanziell zu tragen. Siehe Projekt-Bericht auf unserer Homepage. Man zeigte mir auch ein Grundstück etwas außerhalb der Stadt, auf dem das Haus für hundert verlassene und verstoßene Kinder entstehen soll. Bunketes Schwerpunkt liegt in der Unterstützung von Waisenkindern. Diese sind derzeit bei Familien untergebracht, wo es ihnen aber oft nicht gut geht. Ihnen ein wirkliches Zuhause zu schaffen, ist das große Ziel.

Derzeit befindet sich Bunkete leider in einer Phase des Abstiegs. Die NGO hatte mit internationalen Partnerorganisationen wie der UNICEF zusammengearbeitet. Alle diese Organisationen hatten 2016 ihre Stützpunkte in Bandundu Ville aufgrund der instabilen politischen Situation mit den ausstehenden Wahlen aufgegeben. Auf sich allein gestellt, ist der finanzielle Spielraum für Bunkete sehr klein geworden. Dann wurde vor knapp einem Jahr ihr Büro ausgeraubt. Alle PCs, Kopierer, Scanner, die gesamte Einrichtung wurden gestohlen. Und das sozusagen vor den Augen der Polizei schräg gegenüber in ihrem Tag und Nacht besetzten Dienstort. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Gesundheit

Hier in Bandundu wohnen meine Mitarbeiterin Solange und ich gottseidank in einem Haus mit funktionierenden Sanitäranlagen. Das ist deshalb wichtig, weil mich vor allem nachts ein hartnäckiger Durchfall plagt. So muss ich diesmal aus Gesundheitsgründen auf die gute fette und würzige kongolesische Kost Großteils verzichten und ernähre mich hauptsächlich von Schwarztee, Brot, Reis und Bananen. Dabei habe ich die kongolesische Küche bisher immer gut vertragen und auch sehr gern gegessen!

Aktivitäten in Kinshasa

Ecole St. Hélène

Am 3. Juni habe die Schule „St. Hélène“ besucht, welche wir durch eine großzügige Spende einer Künstlerin mit € 2.000 im Vorjahr unterstützen konnten. Die Eindrücke waren sehr prägend. Die Schule liegt in einer sehr armen Wohngegend, das reduziert den finanziellen Spielraum der Schule gewaltig, weil die Eltern nicht viel zahlen können und der Staat die Schule nicht unterstützt! Entsprechend ist der Zustand des Schulgebäudes, welches nur gemietet ist. Der Vermieter ist nicht gewillt, Investitionen zu tätigen. Aber der Koordinateur der Schule, Deni Lelo, und der Direktor sagen beide, dass sie die Kinder nicht im Stich lassen werden! Sie wollen weiter machen.

Sanga Mamba

Am selben Tag besuchte ich das Haus für verlassene Mädchen der Don Bosco Schwestern in Sanga Mamba. Dort konnte ich im Vorjahr erreichen, dass die damals zehnjährige Milka aufgenommen wurde, welche der eigene Vater töten wollte, weil sie eine Hexe sei! Milka hatte sich gut entwickelt und gut eingelebt. Sie war aber wegen hohen Fiebers und Anämie im Krankenhaus und kam genau an diesem Montag, als ich zu Besuch kam, wieder heim. Es war ein schönes Wiedersehen, Milka war aber von der Krankheit geschwächt. Ich hoffe, dass sie sich gut erholt! Sie hatte schon mehrmals solche Fieberattacken.

Schulung

Die ersten beiden Teile der Reflexologie-Schulung, die Solange organisiert hatte, fanden am 4. und 5. Juni im Stadtteil Beaumarché in einem Privathaus statt.

Ich hatte auch zwei Unterrichtseinheiten in der Schule von Schwester Hildegard für die älteren Mädchen am 4. 6. morgens.

So war die Zeit bis jetzt sehr ausgefüllt. Heute, 14. 6. bin ich von Bandundu Ville wieder nach Kinshasa zurückgekommen. Ursprünglich wollten wir mit dem Kanu Rapide reisen, einem Schnellboot, das es in einem Tag auf dem Wasserweg (man reist auf den Flüssen Kasai, Kwilu und dem Kongo) bis nach Kinshasa schafft. Wir hatten unsere Tickets, ich freute mich auf das Wasser-Erlebnis. Aber dann erfuhren wir heute Morgen, dass noch zehn Passagiere gesucht werden, damit das Schiff starten kann. Es war klar, dass das nicht klappen konnte. Das Kanu Rapide legt nur Montag und Freitag ab, wir hätten also auf den Montag warten müssen. Und kurzfristig auf die lange und sehr mühsame Busfahrt umsteigen wollte ich nicht riskieren, weil wir vielleicht gar kein Ticket mehr bekommen hätten kurz vor Abfahrt des Busses. So entschloss ich mich kurzfristig, doch wieder mit dem Flugzeug zu reisen, was ich gar nicht mag!

Auf meine Frage, ob man nicht von den überfüllten Bussen Passagiere für das Kanu Rapide abwerben könnte, wurde mir gesagt, dass die Kongolesen Angst vor dem Wasser hätten … Alle Freundinnen, die zu unserem Abschied gekommen waren, beteuerten, dass sie nicht ins Kanu steigen würden!

Aber jedenfalls bin ich jetzt wieder zurück in Kinshasa und kann wieder ins Internet.

Ich hoffe es geht sich nochmal ein Bericht aus, sonst bald nach meiner Rückkehr am 29. Juni. 

Viele liebe Grüße von Hermine Moser

Die Wahlen im Kongo

Drei Berichte aus der Wiener Zeitung über das umstrittene Wahlergebnis der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der DR Kongo.

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/welt/weltpolitik/1011745_Tshisekedi-wird-unerwartet-Sieger.html

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/welt/weltpolitik/1011914_Der-Plan-B-von-Kongos-Machthabern.html

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/welt/weltpolitik/1011921_Rohstoffe-und-zweifelhafte-Wahlen.html