Meine nächste Reise in den Kongo

Meine nächste Reise in den Kongo

Ich plane meine nächste Reise in den Kongo von Mitte August bis Mitte September, am Ende der Trockenzeit, wo Temperatur und Luftfeuchtigkeit noch ganz gut erträglich sind. In dieser Zeit des Jahres war ich noch nie im Kongo. Mal sehen, wie es wirklich wird – wie trocken oder doch wie schwül.

Folgende Aufgaben sehe ich vor mir

Reise nach Masi Manimba zum Ernährungs-Projekt von Madame Pauline Velo. Im Newsletter vom 16. Februar habe ich darüber berichtet. Das Projekt wurde einstweilen mit 2000 Dollar unterstützt. Mme. Pauline konnte den Betrag über Western Union in Empfang nehmen, als sie in Kinshasa weilte. Obwohl Masi Manimba gut 30000 Einwohnern hat und über eine Nationalstraße mit Kinshasa verbunden ist, gibt es dort keine WU Agentur.

Besuch der Farm des Vereins CRPDM von Madame Florence Ngunga auf dem Plateau von Bateke. Hier möchte ich nachschauen, wie manche Bauvorhaben realisiert wurden und wie das von Elikia finanzierte Motorrad zum Einsatz kommt.

Besuch der Schule St. Hélène und Besprechung mit dem Team über die Zukunft der Schule. Wie schon berichtet, sind die finanziellen Ressourcen weggebrochen und die Schule wird immer mehr abhängig von der Unterstützung durch Elikia. Wenn sich beispielsweise 30 Personen finden würden, die monatlich 30 Euro für die Schule spenden wollen, dann wäre eine langfristige Unterstützungs-Zusage möglich. Könnte sich jemand vorstellen, um Spenden auch über unseren Elikia-Kreis hinaus zu werben?

Gesundheitsschulungen an allen genannten Orten werden wie immer den Schwerpunkt meiner Arbeit bilden.

Ich möchte auch Zeit mit den jungen Leuten und Kindern, die ich unterstütze, verbringen. Mit ihnen spielen, plaudern, lernen, malen, vielleicht Ausflüge machen.

Bericht über die Witwen und Waisen

Die drei elternlosen Schwestern Dada, Furaha und Princess leben seit Oktober 2020 im Kinderhaus der Don Bosco Schwester Hildegard Litzlhammer in Kimbanseke. Sie können dort die Nachholschule besuchen und nach insgesamt drei Jahren einen Schulabschluss erwerben.
Deren ältere Schwester Rosette absolviert eine zweijährige Ausbildung in Kindergartenpädagogik bei den Don Bosco Schwestern im Café Mozart in Gombe.

Der Bruder Sagesse lebt weiterhin bei Fifi Bora.

Madame Fifi Bora, mit der gemeinsam ich mich um die Frauen und Kinder kümmere, betreibt jetzt ein Restaurant in einer Gegend, die Einnahmen verspricht. Dies ermöglicht ihr, manche kurzfristigen Bedürfnisse der genannten Kinder zu erfüllen, wie Schulsachen oder Kleidung, sodass ich nicht allzu häufig über Western Union aushelfen muss.

Das Leben der fünf Geschwister in Kinshasa läuft in guten Bahnen, gottseidank.

Dies gilt für die Familien im Osten leider gar nicht! Der Ausbruch des Vulkans Nyiragongo in der Nähe von Goma vor gut einem Monat hat großes Unheil angerichtet und viel Leid gebracht. Siehe Link.

Tausende fliehen aus Goma aus Angst vor Vulkanausbruch – ZDFheute

Ich möchte besonders von Maman Dorcas Riziki erzählen. Sie konnte durch eine Spende  die dringend notwendige Brustkrebs Operation im Nachbarland Burundi bekommen. Genau an dem Tag, als sie nach monatelanger Behandlung nach Goma zurück gekehrt war, brach am Abend der Vulkan aus und sie musste mit ihren Kindern und der Familie ihres Bruders fliehen. Mit bei der Flucht war auch Maman Baderha, die frühere Pflegemutter der Geschwister, die jetzt in Kinshasa sind. Auf der Flucht gerieten sie in die „Zone Rouge“, das heißt in ein Rebellen-Gebiet. Siehe Link, der Beitrag beschreibt einen Gewaltausbruch, der es in westliche Medien schaffte. Es kommt im Osten des Kongo ständig zu schlimmen und grausamen Übergriffen.

Massaker im Ostkongo: Mindestens 70 Tote bei Überfall – Politik – SZ.de (sueddeutsche.de)

Die Familien hielten Kontakt zu Fifi Bora, und die hielt mich am laufenden. Zuerst ging es um Reisegeld, um die akute Gefahrenzone verlassen zu können. Die Menschen mussten sich in Bananenfeldern verstecken, weil besonders nachts getötet wurde. „Wir leben hier in einer menschlichen Schlächterei“, ließen sie mir ausrichten.
Das Zuhause von Dorcas´ Bruder in Goma war von der Lava zerstört worden. Er will sich mit seiner Familie in der Region um Kisangani ansiedeln, wo er sich ein sicheres Leben verspricht.

Maman Baderhas Haus steht noch, aber es war geplündert worden. Sie will mit ihren Kindern zurück nach Goma, braucht aber Hilfe, um alles Notwendige wieder anzuschaffen.

Dorcas, die durch ihre Krebserkrankung viel durchgemacht hatte, erscheint völlig traumatisiert. Maman Fifi will sie und ihre zwei Kindern zu sich nach Kinshasa holen und einstweilen bei sich aufnehmen. Der nötige Betrag für drei Flugtickets Goma-Kinshasa und die Covid Tests ist schon überwiesen.

Projektbericht Ecole St. Hélène, Mama Fifi Bora und Mama Florence Ngunga – Verein CRPDM

Projektbericht Ecole St. Hélène, Mama Fifi Bora und Mama Florence Ngunga – Verein CRPDM

Ungewollt habe ich sechs Wochen keine weiteren Informationen über die Arbeit im Kongo geschickt. Der Grund dafür ist, dass ich nicht gesund zurückgekommen bin, sondern mit Malaria. Es ist das erste Mal, dass es mich „erwischt“ hatte, und ich wollte es nicht wahrhaben. Ich war dann vom 14. bis 24. März im Krankenhaus, und jetzt geht es mir wieder ziemlich gut. Ich kann sagen, dass die Corona-bedingte allgemeine Entschleunigung meinem eigenen Energielevel ganz gut entsprochen hat. So wurde mir die Erholung leichter gemacht.

Die Menschen im Kongo sind, so wie in praktisch allen Ländern Afrikas, und in allen Ländern weltweit mit schwachen Volkswirtschaften und wenig ausgeprägten Demokratien, von der Corona-Pandemie existentiell betroffen, im wörtlichen Sinn. Es geht bei allzu vielen um das nicht-Verhungern. Wer von der Hand in den Mund lebt, wer das, was unmittelbar durch Straßenverkauf und andere prekäre Beschäftigungen Erworbene, ebenso unmittelbar für Lebensmittel ausgibt, hungert und verliert längerfristig das Dach über dem Kopf, wenn diese Beschäftigungen auf Grund der Ausgangssperren verunmöglicht werden.

In der Folge ein kurzer Bericht über die Schule St. Hélène, über das Werk von Florence Ngunga, und über Fifi Bora, die sich um die fünf Kriegswaisen aus dem Osten des Kongo kümmert.

Ecole St. Hélène

Am 23. Februar hatte ich Besuch vom Direktor John Tshimanga und dem Koordinateur, bei uns würde man sagen Administrator der Schule, Denis Lelo. Ich war eigentlich entschlossen gewesen, der Schule keine weitere Unterstützung zu geben, nachdem sie Ende Dezember vom Kalender Projekt über 5000 Euro erhalten hatten. Ich meinte, wenn St. Hélène überhaupt nicht selbsterhaltungsfähig ist, dann muss die Schule eben geschlossen werden.

Die 5000 Euro waren im Wesentlichen für die bescheidenen Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer und für die Renovierung der Schäden nach dem Erdrutsch im vergangenen November aufgegangen. Die entsprechenden Belege legten mir die beiden im Original vor.

Aber Denis und John standen schon wieder mit leeren Händen da, die Löhne der Lehrenden waren im Jänner und Februar noch ausständig. Sie erklärten mir glaubwürdig, dass St. Hélène nicht nur als Schule, sondern auch als eine Art soziales Zentrum in dieser besonders armen Gegend wichtig ist. Als Schulverantwortliche erfahren sie viel über die speziellen Nöte ihrer Schülerinnen und Schüler. Viele leben mit nur einem Elternteil, oder bei Großeltern, die so arm sind, dass sie die Kinder oft hungrig zur Schule gehen lassen müssen.

Da erinnerte ich mich an einen KBW Vortrag in Freistadt über das weltweite Projekt „Marys Meals“. https://www.marysmeals.at/

Wenn in St. Hélène alle Schulkinder täglich eine einfache warme Mahlzeit bekommen würden, würde dies die Schule enorm aufwerten, und die allergrößte Not der Kinder und Familien würde wirksam gelindert. Mit dieser Perspektive entschloss ich mich, ihnen 3000 Dollar für die Löhne der Lehrenden und andere dringende Ausgaben zu geben.

Wir vereinbarten, dass John und Denis einen Plan erstellen werden, wie und zu welchen Kosten sich so ein Basisprojekt verwirklichen ließe. Leider ist durch die Corona-Ausgangsbeschränkungen, die zur gleichen Zeit wie bei uns gestartet hatten, derzeit alles auf Eis gelegt.

Mama Fifi Bora

Mit meiner finanziellen Hilfe hatte Mama Fifi ein kleines Restaurant ganz in der Nähe ihrer Wohnung eröffnet. Genau als die Einrichtung und auch genügend Lebensmittelvorräte und die Lizenz zum Betreiben des Restaurants erworben waren, wurde das „confinement“, also die Ausgangssperre ausgerufen. Somit ist die wirtschaftliche Selbständigkeit schon wieder vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Das ist sehr frustrierend. Die drei Schwestern von Rosette und Sagesse, Dada, Furaha und Princess sind immer noch im Osten, weil ja auch die Reisemöglichkeiten gecancelt sind.

Mama Florence Ngunga – Verein CRPDM

Mama Florence war für mich immer einfach die Betreiberin der Crèche gewesen. Erst jetzt, als wir auf der Farm fünf Tage zusammen waren, erfuhr ich mehr über ihr langfristiges humanitäres Engagement für die Allerärmsten.

Schon 1996 hatte sie den Verein CRPDM (Cercle Pour la Récupération des Personnes Défavorisées et Marginalisées, = Vereinigung für die Wiederherstellung von benachteiligten und an den Rand gedrängten Personen) gegründet. Es ging und geht um die Hilfe für verstoßene und verlassene Kinder, für chronisch Kranke, Witwen, junge Mütter, Behinderte, Vergewaltigte.

CRPDM ist an insgesamt vier Orten aktiv. Der erste ist ihr eigenes Haus in Masina Pasquale, die Crèche. Am zweiten Ort, der Farm, hatte ich diesmal nachmittags Schulungen gehalten und vormittags bei der Erdnuss Ernte mitgearbeitet. 2004 hatte Florence ein Stück Land auf dem Plateau von Bateke ihrem Verein verliehen und dort die Farm aufgebaut. Einerseits bietet sie einigen Witwen sowie einer jungen Mutter mit zwei Kindern Unterkunft und Arbeit, in der Haupt-Erntezeit arbeiten dort auch Studenten, die sich ihr Studiengeld verdienen; andererseits finanziert sie mit dem Ertrag der Farm so gut es geht ihre weiteren Aktivitäten.

Leider ist Florence derzeit sehr krank. Nur wenige Tage nachdem sie das Krankenhaus, wo sie wegen Malaria behandelt worden war, verlassen hatte (ich hatte davon berichtet), musste sie wegen Lähmungserscheinungen an beiden Beinen wieder ins Krankenhaus. Nach einer MRT Untersuchung wurde ihr eine Operation an der Wirbelsäule nahegelegt. Dies wäre aber eine untragbare finanzielle Belastung. Derzeit wird sie mit Medikamenten, Physiotherapie und Reflexzonenmassage behandelt. Besserung stellt sich nur langsam ein. Das macht mir große Sorgen. Viele Projekte, die sie beispielsweise auf der Farm verwirklichen wollte, wie der Aufbau von Imkerei, ein eigener Stall samt Auslauf für die Hasenzucht und andere Investitionen, die den Ertrag steigern sollen, sowie die Erweiterung der äußerst bescheidenen Wohnmöglichkeiten für die ständig dort lebenden Personen, stehen still.

Die Kinder der Crèche, die bei ihr im Haus leben, sind traurig und eingeschüchtert. Sie wissen und fühlen, dass von Mama Florences Befinden ihre eigene Sicherheit abhängt.

Die Bilder im Anhang zeigen mich auf der Farm beim (symbolischen) Übernehmen der Dankes-Gaben am Kursende, bei der Erdnussernte in Gesellschaft des kleinen Merdi und seiner noch kleineren Schwester Dorcas, und beim Unterrichten.

 

Elikiá heißt Hoffnung.

Auf dieser Internetseite stellt der Verein „Elikiá  – Hoffnung für den Kongo“ Projekte der Hoffnung vor und wirbt für Untersützung dieser Projekte. Die Projektpartner/innen sind engagierte Personen bzw. Initiativen in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Diese Projekte hat Hermine Moser bei ihren Kongo-Reisen kennengelernt.

Warum DR Kongo?

Seit 2013 ist Hermine Moser in der Demokratischen Republik Kongo in Form von Gesundheitsschulungen für Frauen und Familien aktiv. Ausgangspunkt ihres Engagements war ein Arbeitsauftrag der Caritas OÖ Auslandshilfe zum Aufbau von Pflege- und Betreuungsstrukturen in einem Altenheim in Kinshasa. Seither untersützt sie unterschiedliche Projekte finanziell und durch persönlichen Einsatz in Form von Gesundheitsschulungen für Frauen.

Die Situation in der DR Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo liegt die gesamte Infrastruktur darnieder. Es gibt kein funktionierendes Verkehrsnetz, keine ausreichende Versorgung mit Wasser, Strom, Internet. Dienstleistungen wie medizinische Versorgung und Bildung sind ohne Bezahlung nicht zu haben. Es herrscht keine Rechtssicherheit.

Diejenigen die unter den harten Lebensbedingungen am allermeisten leiden, sind die vielen verlassenen, verstoßenen oder verwaisten Kinder.

Die Menschen müssen sich selbst helfen. Viele Initiativen von engagierten Personen oder Gruppen vor Ort versuchen, die Lebenssituation zu verbessern. Wegen der mangelnden Infrastruktur benötigen diese Initiativen Unterstützung von außen.

Der Verein Elikiá

Für die Verwaltung und Bewerbung der Projekt-Unterstützung haben wir im Oktober 2018 den Verein Elikiá – Hoffnung für den Kongo gegründet. Elikiá bedeutet Hoffnung in Lingala, einer der Sprachen in der DR Kongo.

Der Vereinsvorstand besteht aus Hermine Moser M.A. (Obfrau), Mag. Florian Riegler (Kassier), Mag. Johann Moser (Kassier-Stellvertreter).