Geringe Glaubwürdigkeit der Wahl im Kongo am 23. 12. 2018

Geringe Glaubwürdigkeit der Wahl im Kongo am 23. 12. 2018

Für den 23. Dezember sind nach über zweijähriger Verspätung Parlaments-und Präsidentschaftswahlen in der Demokratischen Republik Kongo angesetzt. Meine Kontaktpersonen in Kinshasa berichten von großer politischer Spannung, die den sowieso schwierigen Alltag zusätzlich belastet. 

Bereits seit 17 Jahren bekleidet Joseph Kabila das Präsidentenamt in der DR Kongo. Kabila Junior folgte 2001 seinem Vater Laurent Desiré Kabila nach, der 1997 den Langzeit-Diktator Mobutu Sese Seko mit Hilfe des jetzigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame vertrieben hatte. Kabila Senior fiel 2001 einem bis heute ungeklärten Attentat zum Opfer. 

Laut Verfassung stehen einer Person zwei Amtsperioden für jeweils fünf Jahre zu. Joseph Kabila ist seit 2001 an der Macht, wurde aber erst 2006 durch eine demokratische Wahl legitimiert. Seit Dezember 2016 ist er auf illegitime Weise im Amt. In Folge dessen brach in der DR Kongo eine politische Krise mit weitreichenden humanitären und sozialen Folgen wie Hungersnöten und wiederholten bewaffneten Übergriffen mit großen Fluchtbewegungen aus. 

Moderiert durch die katholische Bischofskonferenz der DR Kongo, wurde Ende 2016 ein Abkommen zwischen Regierung und Teilen der Opposition verabschiedet, welches die Durchführung von freien und fairen Wahlen bis Ende 2017 vorschrieb. Viele Punkte des Abkommens und vor allem den vereinbarten Wahltermin hielt die Regierung Kabila nicht ein. 

Die Wahlkommission der DR Kongo, die eigentlich unabhängig sein sollte, versagte aussichtsreichen Kandidaten der Opposition teilweise die Registrierung als Kandidat oder hinderte Kandidaten gleich an der Einreise in das Land. Am letzten Tag der Registrierungsphase präsentierte Kabila mit Emmanuel Ramazani Shadary den Kandidaten, der ihm selber lieb ist, der aber sicher nicht den dringend notwendigen und von den Menschen geforderten Wandel bringen wird.

Seit 2016 sind im Kongo die Versammlungs-, Meinungs- und Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt. Die kongolesische Polizei begegnete selbst friedlichen Demonstrationen der Opposition mit Gewalt. Unter diesen Bedingungen haben Kandidaten der Opposition nur geringe Chancen. Entsprechend gering ist die Glaubwürdigkeit dieser Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Dies ist gefährlich, weil die tiefe Frustration, welche viele Menschen empfinden, in offene Gewalt und Gegengewalt umschlagen kann. Neue Ausbrüche von Gewalt aber spielen der Regierung Kabila in die Hand, die sich gerne als die einzige nationale Ordnungskraft inszeniert.

Mehr Informationen: Ökumenisches Netz Zentralafrika
https://www.dw.com/de/demokratische-republik-kongo-vor-den-wahlen-wächst-die-angst/a-46742026


Congo-Stars im Kunsthaus Graz

Congo-Stars im Kunsthaus Graz

Noch bis 29.1.2019 ist die Ausstellung Congo-Stars im Kunsthaus Graz zu sehen, am 30. und 31.12.2018 sogar bei freiem Eintritt. Congo Stars zeigt populäre Malerei von den 1960er-Jahren bis heute Seite an Seite mit zeitgenössischer Kunst, die sich anderer Medien bedient.

Congo Stars im Kunsthaus Graz zeigt auch historische und aktuelle Beziehungen zwischen der Steiermark, Österreich und dem Kongo. Die Verbindungen reichen bis in die Anfänge der Staatsgründung 1961. Beispielsweise haben österreichische Professoren über 20 Jahre an der Académie des Beaux-Arts in Kinshasa unterrichtet.

Wer die Ausstellung nicht besuchen kann, kann hier eine Beschreibung und ein Video ansehen.
https://www.museum-joanneum.at/kunsthaus-graz/ausstellungen/ausstellungen/events/event/6880/congo-stars

Bildquelle: Moke, „Nganda Moke“, 1992, Collection Lucien Bilinelli, Bruxelles/Milan, Kunsthaus Graz

Präsentation des Vereins „Elikiá – Hoffnung für den Kongo“ am 22. November 2018

Präsentation des Vereins „Elikiá – Hoffnung für den Kongo“ am 22. November 2018

Do 22. November 2018, 19:00, im Brauhaus (Keller) Freistadt

An diesem Abend stellt sich der neue Verein Elikiá – Hoffnung für den Kongo vor. Der Verein unterstützt Selbsthilfe-Projekte im Kongo. Hermine Moser berichtet von ihrem letzten Kongo-Aufenthalt und den Gesundheits-Schulungen, die sie seit fünf Jahren vor Ort hält.

Wir zeigen kongolesische Textilien, Keramiken und Holzarbeiten, die Sie gegen eine freiwillige Spende erwerben können.

Es besteht die Möglichkeit, sich über den Verein zu informieren und dem Verein beizutreten.

Benefiz-Veranstaltung „Lustiges Allerlei zum Schmunzeln“ am 10. November 2018

Der Freistädter Wolfgang Handlbauer liest und spielt Lustiges Allerlei zum Schmunzeln (oder Lachen) im MÜK, in der Samtgasse in Freistadt.

Samstag, 10. November 2018, um 18 Uhr. Der Eintritt beträgt: 9 € , der Reinerlös der Veranstaltung kommt dem Projekt „Ein Haus für 100 Kinder“ des Vereins Elikiá – Hoffnung für den Kongo zugute.

http://www.muehlviertel-kreativ.at/programm/allerlei-lustiges/

Wo liegt die Relevanz meiner Schulungen für die Menschen im Kongo?

Wo liegt die Relevanz meiner Schulungen für die Menschen im Kongo?

Die Schulung hatte ich ursprünglich für eine bestimmte Zielgruppe, nämlich Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt hatten erleiden müssen, konzipiert.

Es stellte sich heraus, dass die angebotene Mischung aus

  • Körperwahrnehmung und grundlegende Informationen über die physiologische und anatomische Funktion des Körpers (Kinaesthetics),
  • aktiver und praktischer Gesundheitsvorsorge und Hilfe (Fuß-Reflexzonenmassage) und
  • Sexualität (Kenntnis und Aktivierung des Beckenbodens)

für jede Frau ob jung oder alt, ob mehr oder weniger traumatisiert, von Bedeutung ist. Jedenfalls war die Resonanz überwältigend.

Auch Männer nahmen an allen Orten an den Schulungen teil und zeigten großes Interesse und auch Offenheit für die Inhalte.

Im besten Fall ermöglicht so eine Schulung den Austausch und Dialog über so heikle Themen wie Fortpflanzung, Verhütung, sexuell übertragbare Krankheiten und sexuelle Lust nicht nur für die Frauen, sondern auch zwischen Partnern und in Familien.

Ich gehe davon aus, dass solche Schulungen, entsprechend weiter entwickelt und auf lange Sicht gesehen, einen Beitrag leisten können, um manche der großen Probleme in der kongolesischen Gesellschaft zu thematisieren:

  • Den mangelnden Respekt Frauen und Mädchen gegenüber, welcher einhergeht mit dem Druck auf Burschen und Männer, sich „stark“ zu zeigen
  • Das strikte Delegieren der familialen und hauswirtschaftlichen Arbeit an die Frauen
  • Die permanente Bedrohung und Gewalt vor allem gegenüber Frauen und Mädchen
  • Die vielen „filles-mères“, also sehr junge Mütter, die kaum für sich und ihre Kinder sorgen können

Die Berichte mancher Schulungsteilnehmerinnen über den Erfolg einer Maßnahme bei Familienmitgliedern, aber auch manche respektvollen Rückmeldungen von Männern, die von ihren Frauen eine Behandlung bekommen hatten, lassen mich annehmen, dass ich mit meiner Einschätzung richtig liege.

Die Frauen sind stolz auf sich selbst, weil sie etwas Nützliches gelernt haben, das sie selbst stärkt und ihre Stellung in der Familie aufwertet. Und die Männer erleben ihre Frauen als kompetent und selbstbewusst. Das könnte eine hilfreiche Dynamik für Entwicklung schon in der Familie in Gang setzen.

An den Schulungen nehmen 20 Personen bis 120 Personen teil. Eine so große Zahl an TeilnehmerInnen gelingt nur mit einem guten Team.

 

Hintergründe für die teilweise extreme Armut eines großen Teils der Bevölkerung

Hintergründe für die teilweise extreme Armut eines großen Teils der Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo

Um die heutige Situation des Kongo ein wenig zu verstehen, braucht es einen Rückblick auf die belgische Kolonialgeschichte von den 1880er Jahren bis 1960. Sie war von brutalster Ausbeutung, Unterdrückung und Zwangsarbeit gekennzeichnet. Dieser Geschichte folgte die vollkommen überstürzte und entsprechend unglücklich verlaufende Entlassung des Landes in die Unabhängigkeit im Jahr 1960.

Es verlangt auch einen sehr kritischen Blick auf das fortwährende Ausüben von politischer und wirtschaftlicher Dominanz des ehemaligen Kolonialherrn Belgien, aber auch von Europa, den USA, und dem Internationalen Währungsfond.

Der demokratisch gewählte Ministerpräsident Patrice Lumumba wurde 1961 nach nur sieben Monaten Amtszeit unter Mitwirkung des US-Geheimdienstes nach schwerer Folterung ermordet. Dies geschah, um die wirtschaftlichen und hegemonialen Interessen Europas und insbesondere der USA zu sichern. Es folgten Jahre des Bürgerkriegs mit Sezessionsbestrebungen der an Rohstoffen besonders reichen, im Osten des riesigen Landes gelegenen Provinzen.

1965 putschte sich der Armeestabschef Joseph Mobutu Sese Seko an die Macht. Er hatte an der Ermordung Lumumbas, seinem früheren Mitkämpfer für die Unabhängigkeit, maßgeblich mitgewirkt. Mobutus Diktatur dauerte über dreißig Jahre. Sie war geprägt von Unterdrückung, Gewalt und Willkür, Misswirtschaft und Korruption, Menschenrechtsverletzungen, dem Ausverkauf des Landes und seiner Bodenschätze. Sie führte zu einem wirtschaftlichen und sozialen Niedergang mit zunehmender Verelendung der Bevölkerung.

Mit dem Ende des kalten Krieges in den 1990er Jahren verloren die USA das Interesse, den Diktatur Mobutu weiter an der Macht zu halten. Der Genozid an den Tutsis im Nachbarland Ruanda 1994, der große Flüchtlingsströme in den Ost Kongo nach sich zog, verzögerte jedoch die  von den USA „genehmigte“ Entmachtung Mobutus. Der Kongo (unter Mobutu „Zaire“) wurde in einen Strudel kriegerischer Ereignisse vor allem im Osten des Landes, der an Uganda, Ruanda und Burundi angrenzt, hineingerissen.

Der Sturz Mobutus 1997 durch Laurent Desiree Kabila führte zu keiner Stabilisierung des Landes. Bis weit über die Jahrtausendwende dauerte der in mehreren Etappen verlaufende „Erste afrikanische Weltkrieg“ mit von der UNO geschätzten vier Millionen Toten. Er hatte unglaubliches und anhaltendes Leid, Vergewaltigungen und Massaker an der  Zivilbevölkerung gebracht und dauert bis zur Gegenwart an.

Quelle: Van Reybrouck, David (2013) Kongo Eine Geschichte. Suhrkamp Taschenbuch 4445

Nach der Ermordung Laurent Kabilas im Jahr 2001 durch einen Leibwächter übernahm Kabilas Sohn Joseph Kabila die Regierungsgeschäfte. Mit Unterbrechungen herrscht er bis Ende 2018 als gewählter, jedoch sehr umstrittener Präsident. Seine Regierungszeit ging mit Ende 2016 zu Ende. Leider weigerte sich Kabila, Wahlen zuzulassen. Laut Verfassung darf er kein weiteres Mal kandidieren. Die Situation ist im ganzen Land aus diesem Grund sehr angespannt, mit immer wieder kehrenden Ausbrüchen von Gewalt. Diese Stimmung konnte ich bei meinen beiden Aufenthalten 2016 und 2018 in Kinshasa deutlich wahrnehmen.

Auf Grund des fast völligen Fehlens staatlicher Gesundheits-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen werden diese Aufgaben zu einem großen Teil innerhalb der Familie, durch Selbstorganisation in größeren Zusammenhängen wie der NGO, mit der ich zusammen arbeite, von Missionen, Freikirchen und internationalen NGOs angeboten.

Nur in seltenen Fällen sind die Angebote kostenfrei. Menschen sterben an einfachen Krankheiten, wenn das Geld für die nötige Behandlung oder für eine Operation fehlt. Bildung ist ein Gut, das nur bekommt, wer dafür bezahlen kann.

Auf diese Weise ist ein großer Teil der Menschen vom wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen.

Abschließende Bemerkung

Trotz der äußerst schwierigen Lebensbedingungen erlebe ich bei vielen Kongolesinnen und Kongolesen große innere Kraft, Solidarität, Lebensmut und Lebensfreude. Dies wirkt auf mich ansteckend und gibt mir den Mut und die Kraft, meinen sehr individuellen und natürlich entsprechend punktuellen Beitrag vor Ort zu leisten.

Freistadt, im April 2018, Hermine Moser

Ein Haus für 100 verwaiste, verstoßene, verlassene Kinder in Bandundu Ville

Ein Haus für 100 verwaiste, verstoßene, verlassene Kinder in Bandundu Ville

Ein Zuhause für hundert verlassene Kinder soll in der Provinzstadt Bandundu Ville 400 km nordöstlich von Kinshasa entstehen.

Das geplante Haus steht in Zusammenhang mit einem Landwirtschaftsprojekt, welches mit finanzieller Unterstützung von Elikiá schon am Laufen ist. Die Farm soll in Zukunft den Betrieb des Kinder-Hauses sichern helfen.

Der Kostenvoranschlag für das Kinder-Haus beträgt 50.000 US Dollar. Elikiá will den Aufbau dieses Hauses ermöglichen.